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AUFBAU UND FUNKTIONSWEISE DES NETZLOSEN GASBALLONS

Seit einigen Jahren bietet die Firma Ballonbau Wörner eine neue Generation Gasballon, den "Netzlosen" an. Die gravierendsten Unterschiede zum herkömmlichen Gasballon sind der Wegfall des Netzes und die Einführung eines Parachutes anstelle des Klappenventils. Es soll hier im weiteren nur auf die neuen Bauteile bzw. Bedienungselemente des netzlosen Gasballons eingegangen werden, da Punkte wie Hüllenmaterial, Korb, Korbring identisch bzw. nahezu identisch mit dem Netzballon sind.

Schema des netzlosen Gasballons


1   Hülle
2   Lastgurt
3   Füllansatz
4   Notöffnung
5   Parachute
6   Hüllenleinen
7   Korbring
8   Korb
9   Korbleinen
10 Parachuteleine
11 Füllansatzhalteleine
12 Zuziehleine
13 Notöffnungsleine
14 Halteseile
15 Schlepptau
16 Halteseilbefestigung
17 Niederhaltebefestigung

Parachute

Die Entleeröffnung befindet sich am Nordpol der Hülle und wird mit einem Parachute, ähnlich dem Manövrier- und Entleerungssystem des Heissluftballons, abgedichtet. Der Durchmesser der Öffnung beträgt 1,50 m, und der Rand der Entleeröffnung ist gegen Einreissen durch ein Stahlseil gesichert und mit mehreren Stofflagen verstärkt. Der Parachute wird durch Zentriergurte in seiner korrekten Lage gehalten. Zum Entleeren des Ballons wird der Parachute über die Niederholgurte nach unten gezogen. Der Parachute wird auch als Fahrventil verwendet.

Lastgurt

Auf halber Höhe, zwischen Äquator und Füllansatz, ist der Lastgurt auf die Hülle aufkonfektioniert. Er besteht aus Gurtbögen, die in Nirostastahlringen enden. Die Gurtbögen dienen dazu, die Last aus den Hüllenseilen gleichmässig in die Hülle einzuleiten. In die Nirostastahlringe sind die Hüllenseile eingehängt, die zum Korbring führen.

Parachuteleine

Die Parachuteleine ist im unteren Bereich schwarz-weiss-rot eingefärbt. Darüber ist sie rot gefärbt, um den Wirkungsbereich des Parachutes als Schnellentleerungssystem zu kennzeichnen. Die Parachuteleine dient zum Öffnen des Parachutes, um Gas dosiert abzulassen und zum Niederholen des Parachutes, um den Ballon zu entleeren. Der Übergang von der Ventilwirkung zur Entleerwirkung des Parachutes deutet sich, bei nicht ruckartig aufgerissenem Parachute, durch ein Vibrieren der Parachuteleine an.

Vorteile des netzlosen Gasballons

Der netzlose Gasballon hat den Netzballon mittlerweile fast völlig verdrängt. Schon seit mehreren Jahren werden bei Ballonbau Wörner keine Netzballone mehr produziert. Die Vorteile liegen auf der Hand:

Das Aufrüsten verkürzt sich stark. Es müssen keine Leinen mehr eingezogen werden, kein Ventil eingebaut und kein Netz mehr aufgelegt werden. Bei Füllorten mit hohem Druck auf der Leitung ist der Ballon sehr schnell voll.
 

Das arbeitsintensive Umhängen der Sandsäcke beim Aufrüsten entfällt. Bisher mussten ca. 14 t Sand bewegt werden, beim netzlosen reduziert sich das auf ca. 1,5 t.
 

Das Eigengewicht reduziert sich beim 1000 m3-Ballon um ca. 18%.
 

Bei der Landung muss der netzlose Ballon nicht mehr mit dem Schlepptau eingerichtet werden. Die Entleeröffnung befindet sich immer am höchsten Punkt und gewährleistet eine schnelle Entleerung.
 

Die Parachuteöffnung schliesst sich selbstständig bis zu einem Restgasinhalt von ca. 150 m3. Das kann bei Landungen in ungünstigem Gelände von Vorteil sein, wo der Ballon möglicherweise nicht entleert werden soll. War der herkömmliche Gasballon einmal gerissen, entleerte sich die Hülle am jeweiligen Landeort.
 

Die Entleerung erfolgt gefahrloser. Es muss kein Ventil mehr ausgebaut werden, wobei Personen mit Wasserstoff in Berührung kommen.
 

Netz und Hülle müssen nach der Entleerung nicht mehr voneinander getrennt werden, was immer wieder zu Beschädigungen der Hülle geführt hat.
 

Beim netzlosen Ballon entfällt das Reissbahnnähen- und abkleben. Der Parachute mit seiner selbstdichtenden Konstruktion positioniert sich selbsttätig beim Aufrüsten.
 

Der netzlose Ballon kann ca. 7% günstiger, als herkömmliche Ballone angeboten werden.
 

DIE STELLUNG DES GASBALLONS IN DER HEUTIGEN ZEIT - AUSBLICKE

Der Gasballon wurde in den letzten 20 Jahren von der Neuentwicklung des Heissluftballons eingeholt. Die Anzahl der in Schweiz gemeldeten Gasballone beträgt derzeit ca. 18 Stück, eine Zahl die in den letzten Jahren leicht abnahm. Noch vor 20 Jahren betrug die Zahl der in der Schweiz  gemeldeten Heissluftballone etwa 15 Stück, heute sind beim LBA mehr als 200 gemeldet. Dieser enorme Anstieg der Heissluftballone und die rückläufige Zahl der Gasballone hat mehrere Gründe. Ballone sind sehr teuer. Die Kosten für einen Heissluftballon betragen rund 60`000 bis 10`000 Sfr, ein Gasballon kostet rund 80000 bis120000 Sfr.. Die werbetreibende Industrie hat im Ballon eine attraktive Möglichkeit zur Selbstdarstellung ihrer Produkte entdeckt und stellt Ballonsportgruppen diese Fluggeräte mit einem mehr oder weniger günstigen Vertrag zur Verfügung. Beim Gasballon verringern sich die etwa 2,5-stündigen Aufrüst- und Startvorbereitungen auf etwa 1.5 Stunden und beim Heissluftballon auf zirka 30 Min. Ausserdem kann man mit dem Heissluftballon von fast überall (sofern es die Luftverkehrsvorschriften zulassen) starten. Deshalb finanziert die Industrie lieber diesen Ballontyp, da man ihn werbetechnisch viel besser vermarkten kann, z.B. Starts bei Geschäftseröffnungen, Skirennen oder Messen.
Ein weiterer Grund ist, dass der Gasballon für die Verwendung zum gewerblichen Gästetransport völlig ungeeignet ist. Beim Gasballon ist man auf die externe Versorgung der Traggase Wasserstoff oder Helium angewiesen. Diese könnten zwar per Tieflader in Druckbehältern angeliefert werden, doch sind solche Lieferungen sehr teuer und man erreicht niemals die gleiche Unabhängigkeit wie beim Heissluftballon. Ausserdem darf für den gewerblichen Gästetransport als Traggas nur Helium und nicht Wasserstoff verwendet werden, was die Kosten zusätzlich in die Höhe treibt. Helium kostet pro m3 je nach Lieferant 8-12 Sfr., d.h. man muss bei einem 1050 m3-Ballon, der in der Lage ist 4 Gäste zu transportieren, schon mit Kosten von über Sfr. 10000.- rechnen. Die Propangaskosten, um diese 4 Gäste mit einem Heissluftballon zu transportieren, liegen bei ca. Sfr. 150.-.

Gasballonstartplätze

Gasballonstartplätze gibt es heute nur noch in der Nähe von chemischen Werken, bei denen in der Produktion Wasserstoff anfällt und den man über eine Rohrleitung zum Startplatz befördern kann. Diese Startplatze (z.B. Attisholz SO und Zurzach AG) werden ausschliesslich von Vereinen betrieben.
Eine Neuentwicklung, die in der Forschung des alternativen Treibstoffes Wasserstoff gemacht wurde, sind grosse Wasserstoffdruckbehälter, die man relativ einfach an verschiedenen Standorten aufstellen kann. 

Der Gasballon als Sportballon

Die am weitest verbreitete Anwendung findet der Gasballon in Vereinen. Durch einen Verein, bei gemeinschaftlicher Nutzung des Geräts, werden die Unterhaltskosten für einen Gasballon ertragbar, wenn das Wasserstoffgas von einem chemischen Werk günstig zur Verfügung gestellt wird. Durch den Betrieb von netzlosen Ballonen verringern sich die Aufrüst- und Startvorbereitungen. Dies gewährleistet zumindest eine gewisse Unabhängigkeit und Flexibilität. Durch die Gewichtseinsparung können die "Netzlosen" bei gleicher Tragkraft kleiner gebaut werden, was wiederum zu kürzeren Füllzeiten und einer Kosteneinsparung führen.

Neben den normalen Hobby-Fahrten, richten einige Schweizervereine Gasballonveranstaltungen und Wettbewerbe aus. Ein Ballon ist in der Regel nicht steuerbar, da er mit dem Wind mitfährt. Die einzige Möglichkeit, die Fahrtrichtung zu beeinflussen, besteht darin, verschiedene Höhen und damit evtl. verschiedene Windströmungen aufzusuchen. In diesen Wettbewerben versuchen die Piloten, auf diese Weise Ziele anzufahren. Wie in anderen Sportarten, gibt es auch im Gasballonsport nationale und internationale Meisterschaften. Das bekannteste und härteste Gasballonrennen der Welt ist das Gordon-Bennett-Rennen, benannt nach seinem Initiator James Gordon Bennett. Dieses Rennen, das erstmalig 1906 stattfand und seitdem regelmässig (mit kriegs- oder Nachkriegsbedingten Unterbrechungen) immer im Land des Vorjahressiegers ausgetragen wird, müssen die Piloten versuchen, möglichst weit vom Startplatz entfernt zu landen. Betrachtet man die Chronik dieses Rennens, findet man Weiten von über 1000 km und Fahrtdauern von mehr als 40 Stunden.

Es bleibt nur zu hoffen, dass es auch in Zukunft Enthusiasten gibt, die nicht nur mit dem schnelllebigen Heissluftballon einen Ausflug in luftige Höhen geniessen wollen. Diese Menschen, die weder Mühen noch den Aufwand scheuen, die mit einer Fahrt mit dem Gasballon verbunden sind, werden dafür mit einem unvergesslichen Erlebnis, nämlich einem Schweben in absoluter Ruhe, ohne störendes Brenner- oder Motorengeräusch, fernab vom lästigen Alltag belohnt.

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